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Rückschau Bildungstag

Der Bildungstag vom 21. November in Zürich, welcher zusammen mit dem New Spirit Forum und dem Gastreferenten Dr. Gerhard Hüther durchgeführt wurde, war ein voller Erfolg. Ab Ende Januar wird das Video zum Vortrag auf unserem Youtube-Channel verfügbar sein.

Rund 600 Lehrerinnen, Pädagogen und Interessierte folgten am Bildungstag spannende Referate zum Thema Kind und Lernen. Beleuchteten Daniel Hess und Armin Fähndrich von der Glücksschule die Entwicklung und den Ist-Zustand der Kinder im heutigen Schulsystem, legte der Neurologe dar, dass es wichtig ist, Menschen lernen zu lassen. Anstatt ihnen etwas beibringen zu wollen. Auswendig lernen bringt nichts… diese und weitere klare Aussagen des deutschen Neurologen Dr. Gerhard Hüther brachten sein Publikum zum Nachdenken und bestätigen uns als Glücksschule in unserem Tun.

Kinder sind ehrlich
Die Referenten Armin Fähndrich und Daniel Hess eröffnen den Bildungstag mit einem Vortrag darüber, dass ein jedes Kind ganz natürlich in seinem so genannten „wahren Selbst“ geboren wird. Es verhält sich intuitiv, unterdrückt keine Bedürfnisse, weiss sich jederzeit deutlich auszudrücken und seinen Ideen Platz zu machen. Sobald es aber in die (schulische) Welt der Bewertung kommt, fühlt sich das Kind rasch nicht mehr gut genug. Es lernt, dass es sich ändern muss, um in der Welt der Erwachsenen bestehen zu können. Das Kind beginnt so, eine Rolle zu spielen, um Bestätigung, Anerkennung und „Liebe“ zu bekommen. Von seinen ursprünglichen Bedürfnissen und Gefühlen und damit auch vor seinem wahren inneren Potential entfernt es sich immer mehr.

Innerer Wandel
Der innere Wandel beginnt damit, nicht mehr einfach den Erwartungen von Aussen zu entsprechen, sondern sich wieder mit seinen. wahren Bedürfnissen und Herzenswünschen zu verbinden. Was möchte ich wirklich, und was habe ich nur das Gefühl, tun zu müssen und will es eigentlich gar nicht? So führt der innere Wandel dazu, immerhin eine Standortbestimmung zu ermöglichen und sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wohin und in was die eigene Lebensenergie fliesst.


Hüther rät, inwändig zu lernen
„Man weiss heute, dass zwei Jahre nach dem Abitur die allermeisten Inhalte, die auswendig gelernt wurden, verschwunden sind“, erklärt der bekannte deutsche Neurologe Dr. Gerhard Hüther. Alles auswendig Gelernte. Einfach weg. Nach der aktuellen Hirnforschung wäre es viel besser, Dinge „inwändig“ zu lernen, damit man sie nicht mehr verlieren könne, so Hüther weiter. Erfahrungen. Dinge, die wirklich durch und durch in einem drin sind, die man verstanden hat. Die blieben einem erhalten, inwändig gelernt eben. „Ob es dazu noch eine Schule braucht?“ fragt er sein gebanntes Publikum.

Es sei nicht nur nicht nötig, Kindern etwas beibringen zu wollen, ja es sei geradezu eine Gewalttat, sie zum Objekt einer subjektiven Bewertung, eigenen Vorstellungen einer Wirklichkeit zu machen. Sobald man jemanden zum Objekt macht, indem man sich über ihn stellt und ihm etwas beibringen will, ist es vorbei mit der menschlichen Beziehung und der Verbundenheit. Und genauso funktioniere Schule meistens.

Wer braucht die Schule?
Hüther erzählt die Geschichte eines Jungen von 4 Jahren, der bereits lesen konnte. Kein Kinderbuch. Ein Sachbuch über Vulkanismus. Der Bub war begeistert, neugierig. Es sei sehr eindrücklich, was er sich an Wissen selbst aneignen konnte. „In was für eine Schule soll denn dieses Kind später einmal bitte gehen?“ fragt er wieder.

Institutionen zu errichten, worin Kinder jeweils im gleichen Alter die gleichen Dinge fürs Leben lernen sollen, sei insgesamt eine schwierige Idee. Nachhaltiger wäre es, gelänge es uns, Kindern eine Lern-Umwelt zu schaffen, in welcher sie immer wieder auf kleine Herausforderungen und Probleme stossen würden, die sie ihrem Entwicklungsstand gemäss auch tatsächlich aus eigener Kraft lösen könnten. Denn, lernen wir auf diesem Weg, werden im Mittelhirn Botenstoffe frei, die auf das kindliche Gehirn wie Dünger wirken. Energie und Motivation werden frei. Immer wieder und immer mehr.

Es beginnt bei den Erwachsenen
Auch wir Erwachsenen sind ständig auf der Suche nach Glück. Oftmals befriedigen wir mit kurzfristig bequemen Lösungen unser Ego, gehen Kompromisse ein, die uns nicht voll entsprechen. Richtig glücklich machen uns jedoch Momente und Lösungen, welche unserem Innersten entsprechen, unsere Potentiale nutzen und wir uns ganz und gar selbst treu sind. Anhand von Powerfragen (vergleiche Kasten) gaben die Referenten dem Publikum Anhaltspunkte, wie man sich als Elternteil über das eigene Verhalten und die eigenen Muster bewusst werden kann.

Insgesamt hat der Anlass viele Fragen aufgeworfen. Auf manche davon gibt es nicht einfach eine richtige Antwort, sondern jede Frage eröffnet unzählige neue Möglichkeiten. Aber die Glücksschule will auch nicht in erster Linie Antworten liefern, sondern weitere Fragen aufwerfen. „Der verwirrte Zustand ist kraftvoll und bietet Energie, sich dem inneren Wandel hinzugeben“, verabschiedet Glücksschul-Präsident Daniel Hess die begeisterten Besucherinnen und Besucher des diesjährigen Bildungstags.

Powerfragen in der Kommunikation mit einem Kind können am Tagesende etwa sein:

1. Habe ich dir heute zugehört?
2. Hast du nachvollziehen können, wenn ich JA, NEIN, oder STOPP gesagt habe?
3. Spürst du genug Vertrauen und Rückendeckung von mir?
4. Hast du das Gefühl ich müsste noch etwas bei mir anschauen?
5. Kann ich darauf vertrauen, dass du mir immer die Wahrheit sagst, auch wenn es heikel sein könnte?
6. Sind wir verbunden oder steht noch etwas zwischen uns?